Die Bedeutung Tucholskys Grabstätte in Mariefred, Schweden.

27. August 2010

Tucholskys Grab in Mariefred,  Schweden 

Ende dieses Jahres ist Tucholsky runde 75 Jahre her gestorben.

Was ist die Bedeutung dieser Grabstätte?  Wie kann man Mariefred auf Deutsch übersetzen? Auf gleiche Art und Weise, wie Tucholsky selbst  immer mit Namen und Begriffen jongliert hat?

Würde eine Grabschrift mit dem Text:  Frieden mit Mary  nicht viel zutreffender sein?

Wenn du etwas sagen willst, dann sag es!

Dieser Ratschlag von Siegfried Jacobsohn an den jungen Kurt Tucholsky hat auch für mich seinen Wert.

Sind meine Ansichten über Tucholsky und die Bedeutung seiner Grabstätte in Mariefred nur Behauptungen oder plausiblen Thesen, die Diskussion ermöglichen.  An Hand der folgenden Fragen möchte ich meine Ansichten über Tucholsky und Mariefred erläutern.

Wer hat die Grabstätte in Mariefred auserwählt?

In den Biografien wird klar, dass Gertrude Meyer, Tucholskys Freundin aus Hindås, nach langem Suchen dieses Grab auserwählt und auf Lebzeiten gekauft hat.

Stimmt das ja auch? Sicher Sie hat das alles hervorragend gemacht. Die Einäscherung und die Beisetzung in Mariefred. Das einzige was klar ist von was Tucholsky selbst wollte war ein Platz unter einer Eiche. Warum dann in Mariefred so um die fünfhundert Kilometern von Hindås entfernt? Weil er sich früher da am Mälarmeer so wohl gefühlt hat, weil er Schloss Gripsholm geschrieben hat?

Meiner Meinung nach ist die Sache komplizierter.

Wenn Tucholsky selber in Mariefred bestattet werden möchte. Wenn er den Friedhof selber ausgewählt hat, konnte er das nur mit der Erinnerung an sein Buch Schloss Gripsholm motivieren. Mit jeder anderer Motivation wäre die Ausführung seines Wunsches nicht sicher gewesen.

Tucholsky war, wie er selber in einem Brief an Walter Hasenclever schreibt einen feinen Psychologen. In mehrere Instanzen schimmert, vor allem mit Bezug auf seine Freundinnen, eine berechnende Mentalität durch. In einem Brief an Walter Hasenclever aus 1934 heißt es:   “Wir wissen doch, was man alles zusammen schreibt, wenn man eine haben will…“.

Tucholsky und seine Sprache

Tucholsky ist laut Max Brod sprachschöpferisch im Deutschen. Diese Fähigkeit in der deutschen Sprache ist immer in seine Beiträge, Bücher und Briefe deutlich. Spielerisch ist er mit seinen phonetischen Wiedergaben von französischen Wörtern in deutscher Buchstabierung. Tucholsky ist im 1929 nach Schweden umgezogen. Lange hat Tucholsky gezögert mit dem erlernen der schwedischen Sprache. Carl von Ossietzky schreibt in 1930 nach einem Besuch an Tucholsky in Hindås:

“ … auch Tucholsky spricht kein Word schwedisch und verständigt sich pantomimisch …“. Später erlernt Tucholsky schwedisch und nennt seine Freundin Hedwig Müller Nuuna, schwedisch für Nonne.

Der Name von Mariefred ist lateinischen Ursprungs und lautete Pax Mariae. Ab und zu wendet Tucholsky in seinen Beiträgen  lateinische Phrasen an. Eine Übersetzung von Pax Mariae war für Tucholsky kein Problem.

Tucholskys  Fähigkeiten mit Wörtern zu jonglieren ist Grund für meine Idee, das Tucholsky die Bedeutung von dem schwedischen Mariefred auf mehr als nur die Übersetzung erweitert hat:

Mariefred, auf Deutsch:  Frieden mit Marie, mit Mary.

Wie intensiv hat Tucholsky sich im Jahre 1935 mit Mary Gerold, seine zweite Ehefrau beschäftigt.

Klar ist aus Briefen und Biografien, dass Tucholsky sich immer mehr im Laufe dieses Jahres mit seinen Gefühlen für Mary Gerold auseinander setzte. Der Satz in der Biografie von Michael Hepp:  “ ….. seine Träume von Mary und seine gleichzeitige Bereitschaft zu einer Heirat mit Nuuna, während er mit Gertrude auf Gotland war….“  macht in einem Satz die Probleme Tucholskys deutlich.

Schockierend und beunruhigend war für ihn eine Begegnung im Zug mit einer Frau, die Mary Gerold ähnelte. Vor allem diese Begegnung und das unterbewusste dieser Erkennung der Ähnlichkeit macht klar wie tief Tucholsky emotional mit Mary Gerold beschäftigt war. Viel wichtiger als die Behauptungen in seiner Korrespondenz ist so eine nicht von dem rationalen Bewusstsein gesteuerte Erfahrung.

Wie zuverlässig sind die Aussagen von Gertrude Meyer? 

Michael Hepp nennt in seiner Biografie mehrere Gegebenheiten woraus hervorgeht, dass die Aussagen von Gertrude Meyer nicht immer ganz zuverlässig sind. Vor allem ihre  Äußerungen über die drei Abschiedsbriefe und den Zettel mit dem Text, “laisse-moi mourir en paix “ auf Tucholskys Nachttisch geben Grund zum Zweifel. Ihre Behauptung in einem Brief an Mary Gerold aus Juni 1946, dass sie den viel besprochenen Brief von Tucholsky an Arnold Zweig geschrieben hat ist eben grotesk. Wenn diese Aussagen nicht stimmen, dann rechtfertigt sich die Frage was stimmt noch mehr nicht.  Dass Gertrude Meyer ihre Beziehung mit Tucholsky ein anderer Wert  gibt als Tucholsky selber ist mehr als nur verständlich. Gertrude Meyer, das Fröken aus Hindås, aber auch Kameradin und unentbehrliche Stütze Tucholskys, hat die Grabstätte ausgewählt, gekauft, aber ist es auch ihre Idee?

Um Gertrude Meyer nicht zu verunglimpfen ist in dem Roman Hej Tucholsky die “ Freundin aus Göteborg“ introduziert.

 Zusammenfassung und Schlussfolgerung.

 Was ergibt die Kombination der oben genannten Punkte?

Tucholsky war ein feiner Psychologe, konnte mehr mit Menschen erreichen als auf Anhieb schien. Er war im Stande Mariefred zu übersetzen, er konnte die Gedanken an seiner zweiten Ehefrau Mary Gerold nicht loswerden. Die Aussagen von Gertrude Meyer sind nicht immer zuverlässig.

Wie hätte Tucholsky selber, in seiner letzten Lebensphase, seine Gefühlen für Mary Gerold besser und definitiver zum Ausdruck bringen können als mit der Wahl seiner Grabstätte in Mariefred. Damit hätte er ein letztes Zeichen setzen können:  unendlicher Frieden mit Mary.

Folgendes:

Neue Ideen ergeben neue Fragen.

Warum hat Tucholsky seine Wahl für die Grabstätte in Mariefred nicht in seinem Abschiedsbrief erwähnt?

Es ist nur logisch anzunehmen wenn er sich von Mary Gerold mit diesem Brief verabschiedet hatte, er zweifelsohne Mariefred genannt hatte. Da klafft ein Loch.

Meine Ansichten über den Abschiedsbrief werde ich noch erklären. Im Kurzen nur das Nachstehende:

Was ist der Unterschied zwischen einen Abschiedsbrief und einen Aussöhnungsbrief?

Ist Tucholskys Brief an Mary Gerold nur ein Abschiedsbrief, weil er mit  „ Will dir zum Abschied die Hand geben“ anfängt oder tendiert der Brief mehr in die Richtung eines Aussöhnungsbriefes? Nur eine sorgfältige Analyse des Briefes könnte Klarheit bringen.

Auf Grund meiner Berufserfahrung mit zerbrochenen Ehen und Beziehungen zögere ich nicht dieser Abschiedsbrief  einen Aussöhnungsbrief zu nennen. Der Grund für diese Auffassung folgt.

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One Response to “Die Bedeutung Tucholskys Grabstätte in Mariefred, Schweden.”


  1. […] sie damit dessen letzten Wunsch. Unlängst hat der niederländische Tucholsky-Fan Henk Mantel ein Büchlein um die Idee geschrieben, dass Tucholsky selbst diesen Ort ausgesucht hat, weil er damit seinen Frieden mit seiner zweiten […]


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